Bildungskongress

Führungsrolle engagiert selbst erarbeiten

Der erste Bildungskongress in Hannover stand unter dem Motto "Bildung gestalten im Wandel der Branche". Veranstalter war das Berliner Verbindungsbüro der Deutschen Versicherungsakademie GmbH (DVA), München.

Auf diesem ersten Bildungskongress diskutierten Horst Peil, Präsident des Bundesverbands der Assekuranzführungskräfte in Deutschland, Köln, und Dietrich W. Maurice von der Maurice-Consult Unternehmens- und Personalberatung GmbH, Düsseldorf, mit Personal- und Bildungsverantwortlichen über die Anforderungen an die Führungskraft von morgen.


Individueller Lebenslauf besser als gute Noten

Laut Dietrich W. Maurice suchen die Personalchefs vieler Unternehmen noch immer mit der Wünschelrute nach Einserkandidaten, die aber nur selten das Profil für eine starke Unternehmerpersönlichkeit mitbrächten. Wichtig für die Nachwuchskräfte sei daher die Erkenntnis, dass ein individueller Lebenslauf wesentlich positiver zu werten ist als die bisher so hoch bewerteten guten Noten der Söhne und Töchter aus den Eliteschmieden der deutschen Universitäten. Gefragt seien heute auf allen Ebenen risikobereite Persönlichkeiten mit Lebenserfahrung, die sich ihre künftige Führungsrolle durch engagierten Einsatz selbst erarbeiten.


Zu den besonders geschätzten Anlagen, die sich oft im Laufe erster beruflicher Erfahrungen zeigten, gehörten
neben dem strategischen, kreativen Denken ein kämpferisches Gespür für die Marktchancen und die Fähigkeit, Menschen zu überzeugen, sowie ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein.

Für eine Führungskraft sei es aber auch wichtig, einmal zuzugeben, einen Fehler gemacht zu haben. Bedeutend sei aber auch der unbändige Wille zum Erfolg. Als wichtigste aller Eigenschaften zahle sich jedoch die absolute Aufrichtigkeit im Umgang mit Menschen aus.


Für Horst Peil, den Präsidenten des Bundesverbands der Assekuranz-führungskräfte (VGA), sind Wissen und Können von Führungskräften Deutschlands wertvollste Ressourcen. Heute wird von Führungskräften in erster Linie soziale Kompetenz erwartet. Wichtig für Führungskräfte von morgen seien aber auch eine Portion Neugier, die Begeisterungsfähigkeit und der Wille, etwas in Bewegung zu setzen.


Speziell für Führungskräfte im Vertrieb hat die DVA zusammen mit dem VGA das Curriculum "Leadership für Führungskräfte im Vertrieb" entwickelt. In diesem Curriculum werden vertriebsorientierte Inhalte mit branchenspezifischem Führungs Know-how verknüpft. Dieses Qualifikationsprogramm behandelt authentisch das Aufgabengebiet der Führungskräfte im Vertrieb. Es zeigt dabei neue und bewährte Lösungen, Strategien und Methoden für die unterschiedlichsten Führungssituationen auf. Es vermittelt Führungsprofis zusätzliche Sicherheit und Branchen-Kompetenz. Besonders Führungsnachwuchskräfte werden professionell auf die neue Position im Unternehmen vorbereitet.


Das Curriculum "Leadership für Führungskräfte im Vertrieb" setzt sich zusammen aus vier Modulen, die jeweils mit einem Zwischentest abschließen, ergänzt um Fallstudien und Praxisprojekte sowie einer Abschlussprüfung. Mit dem erfolgreichen Bestehen der Abschlussprüfung erhalten die Teilnehmer ein DVA- Zertifikat. Insgesamt dauert die Ausbildung ca. zwölf Monate. Das vom Führungskräfteverband der Versicherungswirtschaft in Zusammenarbeit mit der DVA erarbeitete Curriculum ist in dieser Form einmalig in Deutschland.


Professionelle Führung erlernen

Für junge Nachwuchskräfte bietet die DVA darüberhinaus das Führungskräfte-Training "Das 3x3 der Führung in der Versicherungswirtschaft" an. Mit diesem Qualifizierungsprogramm lernen sie die vielen Facetten der professionellen Führung kennen und erlernen die notwendigen Methoden, um selbst Mitarbeiter erfolgreich führen zu können.


Generell bietet die von den Spitzenverbänden der deutschen Versicherungswirtschaft gegründete DVA qualitätsgesicherte und bedarfsgerechte Weiterbildung für die Branche. Besonderen Stellenwert unter den versicherungsfachlichen Bildungsgängen hat das Studium zum Versicherungsbetriebswirt (DVA). Es ist die branchenintern höchste Qualifikation und bildet auf wissenschaftlichem Niveau zukünftige Führungskräfte aus.

  

Coaching:

Die Führungskraft von

morgen braucht mehr
als reine Fachkompetenz

Auf diesem ersten Bildungskongress diskutierten im Forum 8 "Coaching - ein Instrument der Personalentwicklung und -Förderung?" Dr. Christine Kaul, Leiterin des Geschäftsfeldes Coaching der VW Coaching GmbH, Wolfsburg, und Johanna Aichmüller, Leiterin der Abteilung Bildung / Qualifizierung bei der Allianz Versicherungs-AG, München, mit Personal- und Bildungsverantwortlichen über die Einsatzmöglichkeiten von Coaching bei der Personalentwicklung und -förderung.

Nach den Worten von Dr. Christine Kaul ist Coaching ein praxisorientierter, maßgeschneiderter, individueller und ganzheitlicher Entwicklungsprozess zur Optimierung der Fähigkeiten. Im Volkswagen-Konzern sei Coaching ein Dienstleistungsangebot zur Stabilisierung und Optimierung der persönlichen Leistungsfähigkeit. Es richtet sich exklusiv an die besten Manager und ausgewählten Drittkunden außerhalb des VW-Konzerns. Das Coaching-Angebot habe sich in den vergangenen sechs Jahren eine starke Akzeptanz bei den Kunden erworben. Über 90 Prozent der Manager weltweit hätten bei VW Coaching in Anspruch genommen.


Die Coaching-Angebote reichen dabei bei VW vom biografischen Coaching über ein Gesundheitscoaching bis hin zur Mediation oder zu einem TV-Coaching.


Die langfristige Erfolgsgarantie von Coaching liege bei VW unter anderem in folgenden Aspekten:

der Volkswagen-Coaching-Definition, die sich ressourcenorientiert an Spitzenleister wendet,
.

der konsequenten und unabdingbaren Orientierung an den Kundenwünschen, und -erwartungen, die in intensiven Beratungsgesprächen vor jedem Coaching-Prozess durch die Coaching-Berater recherchiert werden,
.

der hohen Qualitätsstandards, die regelmäßig geprüft werden, aber auch an der
.

nachhaltigen positiven Haltung der Konzernleitung gegenüber dieser Form der Qualifizierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Beim Coaching kann bei VW jede der vier Management-Kompetenzen im Mittelpunkt stehen. Das sind:

Unternehmer-Kompetenz,
.

Fachkompetenz,
.

persönliche Kompetenz sowie
.

soziale Kompetenz.

VW hat dabei einige Topmanager für ein Coaching schon einmal eine Nacht in eine Bahnhofsmission geschickt. Dort sollten sich die Manager dann einmal mit einer völlig fremden Situation auseinandersetzen.

Nach dem Vortrag von Dr. Kaul stellte Johanna Aichmüller das Coaching-Konzept der Allianz vor. Coaching wird hier z. B. bei der Führungswechselberatung, bei der Begleitung von Veränderungsprozessen und als Mentoring eingesetzt. Es könne jedoch keine Psychotherapie ersetzen. Wenn z. B. durch familiäre Probleme ein Leistungsabfall bei Mitarbeitern zu verzeichnen ist, verweist die Allianz auch schon einmal an Familien- und Trennungsberatungsstellen oder aber Väterberatungsstellen.


Coaching braucht nach den Worten von Johanna Aichmüller einen Anfang und ein Ende. Es könne auch nur eine Begleitung sein und kein Ersatz für eine Psychotherapie. Daher findet bei der Allianz immer erst ein Vorgespräch mit den Mitarbeitern statt, die Coaching in Anspruch nehmen wollen. In diesem wird auch eine Ziele-Liste mit Zielformulierungen erarbeitet. Die Dauer des Coaching richtet sich nach dem jeweiligen Ziel. Einen Leitfaden für ein einfaches Coaching-Gespräch finden Allianz-Mitarbeiter im Internet.


Helmut Zermin, freier Journalist, Berlin


Internet-Adresse:
Das Programm kann kostenlos angefordert werden,

Tel.: 0 89/45 55 47-0 oder
E-Mail: info@versicherungsakademie.de.
Das Programm steht auch unter

www.lernpark-versicherungswirtschaft.de
zum Download zur Verfügung.


 Versicherungsmagazin 1/2003